Hier eine
Verteidigungsrede des amerikanischen Senators Vest für einen Hund.
In einer kleiner Stadt in den USA sollte ein Hund getötet werden, weil sich
einige Nachbarn durch sein Bellen belästigt fühlten. Es kam zu einer öffentlichen
Gerichtsverhandlung, in der über des Vierbeiners Schicksal entschieden werden
sollte. Senator Vest hielt die folgende Verteidigungsrede für das wehrlose
Gottesgeschöpf:
Hymne
auf einen Hund
von Senator Vest
"Verehrte
Geschworenen:
Auch Ihr bester Freud auf dieser Welt ist imstande, sich gegen Sie selbst zu
wenden. Ja, sogar zu Ihrem Feind zu werden. Selbst Söhne und Töchter, die mit
großer Liebe aufgezogen wurden, können undankbar gegenüber den eigenen Eltern
werden.
Sogar jene, die uns am nächsten stehen und uns am teuersten sind, denen wir
unser Glück und unseren guten Namen anvertrauen, sind in der Lage, unser
Vertrauen zu mißbrauchen.
Besitztümer, Reichtum und Geld können wie Sand durch die Hände ihrer Besitzer
rinnen und unwiederbringlich verloren gehen. Reichtum kann just zu einem
Zeitpunkt versiegen, wenn er am dringendsten benötigt wird. Der gute Ruf eines
Menschen kann dem Moment einer einzigen Fehlentscheidung zum Opfer fallen.
Menschen, die uns schmeicheln und uns im
Glanze unseres Erfolgs ihrer Ehrerbietung versichern, werfen vielleicht schon
bei der kleinsten, über unserem Haupte aufziehenden und von Mißerfolg kündenden
Wolke den ersten Stein.
Der einzige, vollkommen selbstlose Freund, den ein Mensch in dieser Welt haben
kann, der ihn niemals verläßt, der niemals undankbar und falsch ist, ist sein
Hund.
Des Menschen Hund steht in guten wie in
schlechten Zeiten zu seinem Herrchen. Er schläft neben ihm auf kaltem Grund, wo
die eisigen Winde wehen und der Schnee sich beißend in Gesicht und Gliedmaßen
schneidet- solange er nur dem Herrchen nahe sein darf. Er schleckt die Hand, die
kein Futter mehr für ihn hat. Er leckt ihm die Wunden, die des Lebens rauhe
Wirklichkeit schlagen. Er wacht neben seinem in der Gosse schlafenden, auf
Almosen angewiesenen Herrchen, als wache er über eines Prinzen Schlafstätte.
Auch wenn Reichtum versiegt und Ansehen zerbricht, die Liebe des Hundes bleibt
so unverrückbar wie der Sonne Bahn am Himmel.
Selbst wenn das Schicksal sein Herrchen zum Ausgestoßenen dieser Welt macht,
ohne Freunde und ohne Dach über dem Kopf, so bleibt es für den treuen Hund
dennoch das größte Privileg, für diesen seinen verlorenen Menschfreund zu kämpfen,
ihn begleiten, beschützen und vor Gefahren bewahren zu dürfen.
Und
dann, wenn der Vorhang des letzten Aktes fällt, wenn der Tod seine Arme um das
Herrchen legt und sein Sterblichen im kalten Grund versenkt ist; wenn alle
Freunde ihrer Wege gegangen sind, dann findet man den wahren Freund, die
traurigen Augen unter seinen Pfoten vergraben, treu und ergeben auf dem Grabe
des toten Herrchens wachen.
Es ist wahr, der Hund bleibt uns im Sturme treu, der Mensch noch nicht einmal im
Winde. Die Reinheit seiner Treue reicht selbst über unseren Tod hinaus."
Nach
dem bewegenden Plädoyer des Senators, vorgetragen mit leiser Stimme, bar aller
Gesten, wischten Richter und Geschworene die Tränen aus ihren Augen. Die
Geschworenen urteilten zu Gunsten des von Senator Vest so ergreifend
verteidigten Hundes. Des Menschen bester Freund wurde dann in die Freiheit
entlassen.